Ratgeber

Lademanagementsystem oder Ladepunkt-Buchung: Was braucht ein Unternehmen?

Unter dem Begriff Lademanagement werden in Deutschland oft sehr unterschiedliche Aufgaben zusammengefasst: Ladepunkte betreiben, Strom abrechnen, Leistung steuern und Ladeplätze zwischen Mitarbeitenden verteilen. Für eine gute Entscheidung sollten diese Probleme zuerst getrennt werden.

„Lademanagement“ kann vier verschiedene Probleme meinen

Wenn ein Unternehmen nach Lademanagement sucht, kann dahinter mindestens eine dieser Aufgaben stehen:

  1. Ladepunkte betreiben: Status, Sitzungen, Autorisierung, Fernsteuerung und Diagnose.
  2. Elektrische Leistung steuern: verfügbare Anschlussleistung auf mehrere Fahrzeuge verteilen.
  3. Kosten abrechnen: Strommengen, Tarife, Mitarbeitende, Dienstwagen oder externe Nutzer zuordnen.
  4. Ladezeit verteilen: festlegen, welcher Mitarbeitende wann einen gemeinsamen Ladepunkt nutzen kann.

Ein Produkt kann mehrere Ebenen abdecken. Trotzdem sollte das Unternehmen wissen, welches konkrete Problem gelöst werden muss.

Was ist ein CPMS bzw. CSMS?

CPMS wird häufig für Charge Point Management System verwendet. In der OCPP-Terminologie heißt das zentrale Managementsystem Charging Station Management System (CSMS).

Die Open Charge Alliance beschreibt OCPP als offenes Kommunikationsprotokoll zwischen Ladestation und Managementsystem. Abhängig von Version und unterstützten Profilen umfasst OCPP Funktionen wie Autorisierung, Transaktionen, Konfiguration, Fernsteuerung, Smart Charging, Reservierungen und Geräteverwaltung.

Open Charge Alliance: What is OCPP?

Open Charge Alliance: OCPP 2.0.1 Certification

Typische CPMS-/CSMS-Aufgaben sind daher beispielsweise:

  • Online-/Offline-Status von Ladepunkten;
  • Authentifizierung per RFID, App oder anderem Identifikator;
  • Lade- und Transaktionsdaten;
  • Remote Start/Stop;
  • Konfiguration und Diagnose;
  • Geräte- oder Firmwaremanagement;
  • Tarife, Zahlung oder Abrechnung je nach Produkt;
  • Smart-Charging-Funktionen;
  • Reservierungsfunktionen je nach Produkt und Protokollunterstützung.

Nicht jedes CPMS bietet dieselben Funktionen.

Was macht eine Arbeitsplatz-Buchung anders?

Eine Buchungslösung startet nicht beim Ladegerät, sondern bei der gemeinsamen Ressource.

Sie beantwortet:

  • Wer darf welchen Ladepunkt nutzen?
  • Welche Ladezeiten sind frei?
  • Kann ein Mitarbeitender vor der Anfahrt einen Zeitraum reservieren?
  • Wie lange darf eine Buchung dauern?
  • Wann wird stornierte Zeit wieder frei?
  • Was passiert, wenn alle passenden Zeiten ausgebucht sind?

Dafür muss die Software nicht zwingend mit dem Ladepunkt kommunizieren.

Eine Reservierung kann organisatorisch festlegen, dass Ladepunkt 4 von 13 bis 15 Uhr für Person A vorgesehen ist – auch wenn die Wallbox selbst von dieser Reservierung nichts weiß.

Arbeitsplatz-Buchung, CPMS und Lastmanagement im Vergleich

Bedarf Arbeitsplatz-Buchung CPMS / CSMS Last-/Energiemanagement
Freie Ladezeit für Mitarbeitende anzeigen Kernaufgabe Produktabhängig Nein
Zeitfenster reservieren Kernaufgabe Produktabhängig / OCPP möglich Nein
Buchungsfenster und Dauer regeln Kernaufgabe Produktabhängig Nein
Unerfüllte Zeitnachfrage erkennen Kernaufgabe Produktabhängig Nein
Ladepunktstatus auslesen Nicht erforderlich Typisch Teilweise
Ladevorgänge / Messwerte erfassen Nein Typisch Teilweise
Über OCPP kommunizieren Nicht erforderlich Häufig Je nach Architektur
Remote-Befehle Nein Typisch Teilweise
Abrechnung / Tarife Nein Häufig verfügbar Nein
Elektrische Leistung verteilen Nein Teilweise Kernaufgabe

Die Tabelle beschreibt Verantwortungsbereiche, nicht jedes einzelne Produkt am Markt.

Braucht eine Ladepunkt-Reservierung OCPP?

Für eine reine Zeitreservierung nicht zwingend.

OCPP wird relevant, wenn die Buchungslogik technische Auswirkungen am Ladepunkt haben soll, zum Beispiel:

  • nur die reservierte Person darf den Ladevorgang starten;
  • eine Reservierung wird direkt im Ladebackend hinterlegt;
  • die Buchungsansicht soll echten Ladepunktstatus anzeigen;
  • ein System soll remote starten, stoppen oder freischalten.

Ohne Integration kennt eine Zeitplanung dagegen nicht automatisch den physischen Steckzustand und kann eine Buchung nicht elektrisch durchsetzen.

Deshalb sollte geplante Verfügbarkeit nicht als „Live-Belegung“ bezeichnet werden, wenn keine entsprechende Statusquelle existiert.

Was ist der Unterschied zu Lastmanagement?

Lastmanagement verteilt Kilowatt, nicht Termine.

Beispiel: Ein Unternehmen hat zehn Ladepunkte, aber der Standort kann nicht zehnmal 11 kW gleichzeitig bereitstellen. Das Lastmanagement reduziert oder verteilt die Ladeleistung so, dass die elektrische Grenze eingehalten wird.

Wenn gleichzeitig zwölf Mitarbeitende um 9 Uhr einen der zehn Stellplätze benötigen, ist das ein Zugangs- und Zeitproblem. Dafür braucht es andere Regeln.

Beide Probleme können gleichzeitig bestehen und sollten dann getrennt geplant werden.

Wann ist ein CPMS die richtige Hauptlösung?

Ein CPMS ist zentral, wenn das Unternehmen vor allem Folgendes braucht:

  • Ladepunkte anbinden und überwachen;
  • Nutzer technisch autorisieren;
  • Ladevorgänge und Messwerte erfassen;
  • Tarife oder Abrechnung abbilden;
  • Ladepunkte remote steuern;
  • Diagnosen und Gerätemanagement durchführen;
  • Smart Charging integrieren;
  • technische Reservierungen oder Zugangsregeln am Ladepunkt durchsetzen.

Eine reine Buchungslösung würde diese Anforderungen nicht ersetzen.

Wann kann eine separate Buchungslösung sinnvoll sein?

Sie passt besonders, wenn:

  • die bestehende Ladeinfrastruktur technisch bereits funktioniert;
  • ein vorhandenes CPMS nicht ersetzt werden soll;
  • Mitarbeitende trotzdem um knappe Ladeplätze konkurrieren;
  • die aktuelle Lösung Chat, Excel, Kalender oder First come ist;
  • mehrere Hardwaremarken unter einem gemeinsamen Mitarbeiterprozess organisiert werden sollen;
  • das Unternehmen vor einem weiteren Hardwareausbau erst die vorhandene Zeit besser nutzen möchte.

Gerade nach einer abgeschlossenen Installation kann dieser organisatorische Bedarf entstehen, obwohl der technische Betrieb längst gelöst ist.

Wann sind beide Systeme sinnvoll?

Ein typisches Zusammenspiel kann so aussehen:

  1. Das CPMS betreibt Ladepunkte, Sitzungen, Authentifizierung und ggf. Abrechnung.
  2. Das Arbeitsplatz-System verwaltet Mitarbeiterzeit, Verfügbarkeit und Buchungsregeln.
  3. Eine Integration wird nur dann ergänzt, wenn technische Durchsetzung oder Live-Daten echten Mehrwert bringen.

Integration sollte ein konkretes Problem lösen, nicht Selbstzweck sein.

Entscheidungsfragen

  • Funktioniert unser bestehendes CPMS bereits zufriedenstellend?
  • Ist unser Engpass Ladebetrieb oder Mitarbeiterzugang?
  • Brauchen Mitarbeitende echte Ladepunkt-Telemetrie oder reicht geplante Verfügbarkeit?
  • Muss eine Buchung technisch erzwungen werden?
  • Brauchen wir kWh-Abrechnung oder nur Zeitplanung?
  • Ist Lastmanagement ein separates elektrisches Thema?
  • Haben wir unterschiedliche Ladehardware an mehreren Standorten?
  • Können wir die aktuelle Infrastruktur weiterverwenden?
  • Welche Integration würde den Alltag tatsächlich verbessern?

Wo Charge Roster hineinpasst

Charge Roster übernimmt in diesem Modell die Arbeitsplatz-Zeitplanung. Mitarbeitende sehen geplante freie Ladezeiten und reservieren Zeit. Das Unternehmen definiert Ladepunkte und Buchungsregeln und sieht, wann der Zeitplan Nachfrage nicht bedienen konnte.

Charge Roster ersetzt kein CPMS, misst keinen Strom, verteilt keine elektrische Last und sendet keine OCPP-Befehle. Die grundlegende Nutzung erfordert deshalb keine Hardware- oder OCPP-Integration.