Was macht ein Ladepunkt-Buchungssystem?
Im einfachsten Fall macht es die verfügbare Zeit eines gemeinsam genutzten Ladepunkts reservierbar.
Ein Mitarbeitender sollte damit fünf Fragen beantworten können:
- Welchen Ladepunkt darf ich nutzen?
- Wann ist ein passendes Zeitfenster frei?
- Wie weit im Voraus kann ich buchen?
- Wie lange darf die Buchung dauern?
- Wann muss der Ladeplatz für die nächste Person wieder verfügbar sein?
Der eigentliche Mehrwert entsteht dadurch, dass alle dieselbe Verfügbarkeit und dieselben Regeln sehen.
Wann reichen First come und informelle Absprachen nicht mehr?
First come, first served ist einfach und kann bei geringer Nachfrage ideal sein. Ein Buchungssystem wird interessanter, wenn:
- morgens regelmäßig alle Ladeplätze belegt sind;
- Mitarbeitende vor der Anfahrt wissen müssen, ob sie laden können;
- Fahrzeuge den Ladeplatz einen ganzen Tag belegen, obwohl kürzere Ladezeit reichen würde;
- Ladezugang per Teams, Chat, Kalender oder Zuruf organisiert wird;
- dieselben Personen durch frühe Ankunft dauerhaft Vorteile haben;
- das Unternehmen nachvollziehen möchte, wann Nachfrage nicht bedient werden konnte.
Der deutsche Markt enthält inzwischen spezialisierte Ladepunkt-Buchungssoftware, die genau diese Situation adressiert. Das bestätigt, dass Buchung ein eigenständiger Arbeitsplatzprozess sein kann und nicht automatisch Teil eines umfangreichen Lade-Backends sein muss.
Reservierung, Warteliste oder Zeitlimit?
| Modell | Beantwortet vor allem | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| First come | Ist jetzt gerade etwas frei? | Kein Prozess nötig | Keine Planungssicherheit |
| Reservierung | Wann kann ich laden? | Planbar vor Ankunft | Buchungsregeln nötig |
| Warteliste | Wer ist als Nächstes dran? | Fair bei spontaner Nachfrage | Zeitpunkt bleibt unsicher |
| Zeitlimit | Wie lange darf ein Fahrzeug bleiben? | Einfacher Wechsel | Bedarf ist nicht für alle gleich |
Ein Standort kann Modelle kombinieren. Eine Reservierung für planbare Zeiten und eine Warteliste für kurzfristig frei werdende Slots schließen sich nicht aus.
Welche Regeln sollte ein Buchungssystem unterstützen?
Wichtiger als eine lange Featureliste sind wenige sinnvolle Regeln:
Buchungsfenster
Wie weit im Voraus darf reserviert werden? Zu lange Fenster können dazu führen, dass dieselben Nutzer attraktive Zeiten weit im Voraus blockieren.
Buchungsdauer
Welche Mindest- und Höchstdauer passt zum realen Ladebedarf? Ganztägige Standardbuchungen verschwenden Kapazität, wenn das Fahrzeug deutlich weniger Zeit benötigt.
Konfliktvermeidung
Dasselbe Zeitfenster darf nicht doppelt vergeben werden.
Stornierung
Nicht mehr benötigte Zeit sollte sofort wieder für andere verfügbar werden.
Zugangsregeln
Mehrere Standorte, Ladepunktgruppen oder Nutzergruppen können unterschiedliche Regeln brauchen.
Sichtbarkeit unerfüllter Nachfrage
Wenn kein passender Termin gefunden wird, sollte der Arbeitsplatz dieses Signal nicht verlieren. Gerade diese Anfragen zeigen, ob die Kapazität langfristig knapp wird.
Muss die Reservierung den Ladepunkt technisch sperren?
Nein – nicht für jeden Anwendungsfall.
Eine Buchung kann organisatorisch festlegen, dass Ladepunkt 2 von 10 bis 12 Uhr für eine bestimmte Person vorgesehen ist. Dafür muss das Buchungssystem den Ladepunkt nicht zwingend elektrisch freischalten, sperren oder einen Ladevorgang starten.
Technische Durchsetzung kann sinnvoll sein, wenn das Unternehmen verhindern muss, dass Unberechtigte laden, oder wenn Reservierungen direkt mit RFID, App-Autorisierung oder Ladebackend verknüpft werden sollen.
Dann bewegt man sich stärker in Richtung CPMS/CSMS-Integration und OCPP.
Für reine Zeitkoordination reicht dagegen ein gemeinsamer Zeitplan, solange die organisatorische Regel am Standort funktioniert.
Reservierung ist nicht dasselbe wie OCPP-Reservierung
OCPP kennt in unterstützten Versionen bzw. Profilen Reservierungsfunktionen auf Ebene der Ladeinfrastruktur. Dabei kommuniziert ein Managementsystem mit der Ladestation.
Der Mitarbeiterprozess umfasst häufig zusätzliche Fragen:
- Standort auswählen;
- Kalender sehen;
- Ladezeit und Dauer wählen;
- Arbeitsplatzregeln anwenden;
- stornieren oder ändern;
- faire Verteilung zwischen Kollegen;
- Nachfrage erkennen, die keinen Termin gefunden hat.
Ein CPMS kann all das anbieten – muss es aber nicht. Umgekehrt kann ein Arbeitsplatz-Buchungssystem diese Nutzerlogik abbilden, ohne OCPP zu verwenden.
Beispiel: vier Ladepunkte, zwölf Mitarbeitende
Vier Ladepunkte stehen von 8 bis 17 Uhr bereit. Zwölf Mitarbeitende möchten an unterschiedlichen Tagen laden.
Ohne gemeinsamen Kalender kommen die ersten vier Fahrzeuge an die Ladeplätze. Andere fragen im Chat oder prüfen später erneut.
Mit reservierbaren Zeitfenstern sehen Fahrer schon vorher, wann Plätze verfügbar sind. Zwei Personen laden von 8 bis 10 Uhr, andere später. Nicht mehr benötigte Termine werden storniert und wieder freigegeben.
Das System hat keinen neuen Ladepunkt geschaffen. Es hat vorhandene Ladezeit planbarer verteilt.
Fragen vor der Auswahl einer Buchungslösung
- Brauchen wir Planbarkeit vor der Ankunft oder nur eine Warteschlange vor Ort?
- Müssen Buchungen technisch am Ladepunkt durchgesetzt werden?
- Haben wir bereits ein CPMS, das den Ladebetrieb zuverlässig abwickelt?
- Wie weit im Voraus soll gebucht werden?
- Welche Dauer ist realistisch?
- Sollen mehrere Standorte mit unterschiedlichen Regeln unterstützt werden?
- Brauchen wir Zahlungen oder Stromabrechnung – oder nur Zeitplanung?
- Wie erfassen wir unerfüllte Nachfrage?
- Müssen Mitarbeitende eine zusätzliche App installieren?
- Können wir die vorhandenen Ladepunkte weiterverwenden?
Wo Charge Roster hineinpasst
Charge Roster ist ein Buchungs- und Zeitplanungssystem für gemeinsam genutzte Ladepunkte am Arbeitsplatz. Mitarbeitende sehen geplante freie Zeiten, wählen Start und Dauer und reservieren Ladezeit.
Charge Roster sperrt den Ladepunkt nicht elektronisch, misst keinen Strom und führt keine OCPP-Reservierung aus. Es kann deshalb neben der vorhandenen Ladehardware und einem bestehenden CPMS genutzt werden.