Starten Sie nicht mit der Gesamtzahl der Mitarbeitenden
Ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden kann weniger Arbeitsplatz-Ladebedarf haben als ein Unternehmen mit 100. Relevant sind die Personen, die tatsächlich mit einem E-Auto zum Standort kommen und dort laden wollen oder müssen.
Fragen Sie deshalb:
- Wie viele Mitarbeitende fahren heute elektrisch?
- Wie viele weitere planen kurzfristig den Umstieg?
- An wie vielen Tagen sind diese Personen am Standort?
- Welche Pendeldistanzen sind typisch?
- Können sie zuhause laden?
- Bleibt das Fahrzeug den ganzen Arbeitstag am Standort?
- Nutzen Dienst-, Pool- oder Besucherfahrzeuge dieselben Ladepunkte?
- Zu welchen Uhrzeiten entsteht der Bedarf?
Auch deutsche Ladeinfrastruktur-Anbieter empfehlen, Flotte, private E-Autos der Mitarbeitenden und Nutzungsprofile vor dem Ausbau zu erfassen. Für die Dimensionierung des gemeinsam genutzten Angebots kommt der zeitliche Bedarf als zusätzliche Ebene hinzu.
Rechnen Sie vorhandene Ladepunktstunden
Eine einfache erste Kennzahl ist die theoretisch buchbare Zeit:
Ladepunktstunden = Anzahl nutzbarer Ladepunkte × nutzbare Stunden pro Tag
Beispiel: Vier Ladepunkte, die acht Stunden verfügbar sind, liefern 32 Ladepunktstunden pro Arbeitstag.
Wenn acht Fahrer jeweils zwei Stunden benötigen, beträgt die angefragte Ladezeit 16 Stunden. Rein mengenmäßig wäre also genug Zeit vorhanden.
Diese Rechnung ersetzt keine technische Leistungsplanung. Sie zeigt nur, dass die Zahl der Ladepunkte allein die organisatorische Kapazität nicht beschreibt.
Spitzenzeiten können trotz freier Tageskapazität knapp sein
Nehmen wir an, sechs der acht Fahrer wollen gleichzeitig zwischen 9 und 11 Uhr laden. Vier Ladepunkte liefern in diesem Zeitraum acht Ladepunktstunden; benötigt werden zwölf.
Wenn zwei Fahrer problemlos auf 11 bis 13 Uhr wechseln können, reicht die bestehende Hardware für alle acht. Wenn sechs Fahrer wiederholt und aus guten Gründen genau 9 bis 11 Uhr benötigen, besteht dagegen ein realer Spitzenengpass.
Deshalb sollten Sie zwei Kennzahlen betrachten:
- Gesamtbedarf über den Tag;
- Überlappung in den Spitzenzeiten.
Trennen Sie Ladepunktzahl von elektrischer Leistung
Mehr Anschlüsse bedeuten nicht automatisch, dass alle gleichzeitig mit voller Leistung laden können. Der Netzanschluss und die elektrische Infrastruktur setzen Grenzen.
Lastmanagement kann die verfügbare Leistung dynamisch oder statisch auf mehrere Fahrzeuge verteilen. Das kann dazu führen, dass mehr Ladepunkte installiert werden können, ohne die maximale gleichzeitige Anschlussleistung entsprechend zu erhöhen.
Aber auch hier gilt: Lastmanagement verteilt Leistung. Ein Buchungs- oder Zeitplanungssystem verteilt Zugang zu Ladezeit. Für eine belastbare Standortplanung müssen beide Fragen getrennt beantwortet werden.
Prüfen Sie, ob vorhandene Ladezeit verloren geht
Bevor Sie zusätzliche Ladepunkte kalkulieren, prüfen Sie organisatorische Verluste:
- ganztägige Belegung trotz kürzerem Ladebedarf;
- nicht stornierte Reservierungen;
- Fahrzeuge bleiben nach Ende des Ladezeitraums auf dem Ladeplatz;
- Mitarbeitende kennen freie Zeiten später am Tag nicht;
- alle versuchen morgens zu laden, obwohl ein Teil flexibel wäre;
- es gibt keine Erfassung von Anfragen, die nicht erfüllt werden konnten.
Solche Probleme können den Eindruck von Kapazitätsmangel erzeugen, obwohl theoretisch noch nutzbare Zeit vorhanden ist.
Unerfüllte Nachfrage ist der stärkere Ausbauindikator
Hohe Auslastung ist zunächst positiv: Die bestehende Infrastruktur wird genutzt.
Ein besserer Hinweis auf fehlende Kapazität ist eine wiederkehrende Situation, in der:
- ein Mitarbeitender tatsächlich Ladebedarf hat;
- keine passende Zeit verfügbar ist;
- vorhandene Alternativen nicht praktikabel sind;
- der Engpass nach vernünftiger Organisation bestehen bleibt.
Dokumentieren Sie solche Fälle über mehrere Wochen. Damit lässt sich besser entscheiden, ob mehr Ladepunkte, längere Betriebszeiten, andere Buchungsregeln oder elektrische Maßnahmen sinnvoll sind.
Beispiel: 20 E-Auto-Fahrer und 6 Ladepunkte
Ein Standort hat sechs Ladepunkte von 7 bis 17 Uhr: 60 theoretische Ladepunktstunden.
Zwanzig Mitarbeitende fahren elektrisch, aber nur zwölf benötigen an einem typischen Tag Laden am Arbeitsplatz. Ihr durchschnittlicher Bedarf liegt bei zwei Stunden – insgesamt 24 Stunden.
Die Tageskapazität reicht klar aus. Wenn jedoch zehn Personen ausschließlich zwischen 8 und 10 Uhr laden wollen, reichen sechs Ladepunkte in diesem Zeitraum nicht.
Können vier Personen später laden, ist kein Hardwareausbau nötig. Können sie das dauerhaft nicht, besteht ein echter Spitzenbedarf.
Das Beispiel zeigt, warum die Zahl „E-Autos pro Ladepunkt“ allein zu grob ist.
Wann ist ein zusätzlicher Ladepunkt plausibel?
Der Ausbau ist stärker begründet, wenn:
- Nachfrage wiederholt dieselben Zeiträume übersteigt;
- Mitarbeitende nicht sinnvoll auf andere freie Zeiten wechseln können;
- vorhandene Ladepunkte bereits mit angemessenen Zeitfenstern geteilt werden;
- stornierte Zeit zuverlässig wieder verfügbar wird;
- die Zahl der auf Arbeitsplatzladen angewiesenen Fahrzeuge wächst;
- die elektrische Planung bestätigt, wie zusätzliche Anschlüsse sinnvoll umgesetzt werden können.
Die abschließende technische Dimensionierung gehört zu Installateur, Elektroplanung und gegebenenfalls Netzbetreiber.
Kapazitätscheckliste für Unternehmen
- Wie viele Mitarbeitende brauchen heute Arbeitsplatzladen?
- Wie viele voraussichtlich in 12–24 Monaten?
- An welchen Wochentagen sind sie vor Ort?
- Wann entsteht der konkrete Ladebedarf?
- Wie viele Ladepunktstunden stehen zur Verfügung?
- Wie stark überlappt die Nachfrage?
- Können Bedarfe auf andere Zeiträume verschoben werden?
- Wie oft bleiben berechtigte Anfragen unerfüllt?
- Liegt der Engpass bei Stellplätzen, Ladepunkten oder elektrischer Leistung?
- Ist Lastmanagement fachlich bewertet?
Wo Charge Roster hineinpasst
Charge Roster liefert keine elektrische Lastberechnung. Es macht die organisatorische Kapazität sichtbar: verfügbare Zeit, Buchungen und Nachfrage, die der Zeitplan nicht bedienen konnte.
So kann das Unternehmen belegen, ob vorhandene Ladepunkte durch bessere Zeitteilung noch mehr Mitarbeitende versorgen können oder ob trotz guter Organisation regelmäßig echte Kapazität fehlt.